Die Dommusik Osnabrück trauert um den ehemaligen Domchordirektor Dieter Broxtermann, der am 17.07.2020 verstorben ist.

Dieter Broxtermann wurde 1965 mit der Leitung des Osnabrücker Domchores beauftragt. Wie zu der Zeit noch übliche Praxis, gab es für dieses Amt keine Ausschreibung, sondern es wurde im Umfeld des Domes ein Geistlicher gesucht, der für diese Aufgabe geeignet sein könnte. Die Wahl fiel auf den jungen Domvikar Broxtermann, der mit seiner außergewöhnlich sängerischen Begabung auffiel. Dirigieren und Klavierspielen lernte er im Zuge seiner Berufung im Schnelldurchlauf. Mit seiner von Engagement, Neugier, Temperament und Kreativität geprägten Persönlichkeit war er genau der richtige Kandidat, um in dieser bewegten Zeit nach dem II. Vatikanischen Konzil wichtige Impulse für die Chormusik am Dom zu setzen.

Ein besonderes Anliegen war ihm die pädagogische Komponente der Chorarbeit. Er etablierte für die Jungen des Domchores (damals noch in der klassischen Form als reiner Knabenchor mit Männerstimmen) zusätzlich zum klassischen Probenbetrieb am Dom ein Freizeitprogramm mit regelmäßigen Chorwochenenden, Ausflügen, Klettertouren und nahm so auch die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen in den Blick. Seinem alleinigen Antrieb und Impuls ist es zu verdanken, dass der Dommusik Osnabrück auch heute noch der „Domchorkotten“ in Hagen-Sudenfeld zur Verfügung steht. Auch gegen einige Widerstände und Bedenken erstand er den damals fast komplett verfallenen Kotten, gründete dafür eigens den Förderverein der Chöre am Dom (damals: Freunde des Osnabrücker Domchores) und baute den Kotten gemeinsam mit einigen engagierten Familien damaliger Domchorsänger in unzähligen Stunden mühevoller Arbeit und mit viel Herzblut wieder auf. Die Probenfreizeiten am Domchorkotten sind seitdem ein Herzstück in der Chorarbeit am Osnabrücker Dom und prägten schon Generationen junger Sängerinnen und Sänger.

Ein weiterer wichtiger Impuls war die Gründung einer Mädchenkantorei am Dom, die aus dem Wunsch vieler Geschwister aktiver Domchorsänger entstand, an diesem reichhaltigen Chorleben teilhaben zu können. Auch hier zeigte Dieter Broxtermann Mut und Initiative und so gehörte Osnabrück zu den ersten katholischen Domkirchen, an denen Anfang der Siebziger Jahre erstmalig auch Mädchen in der Liturgie singen durften.

Seit der Neugründung des Domchores im Jahre 1884 lag der musikalische Schwerpunkt des Chores gemäß den Gepflogenheiten an einer katholischen Domkirche in der Pflege des Gregorianischen Chorals und der altklassischen Vokalpolyphonie, also vor allem den Messen und Motetten Palestrinas. In der Zeit nach dem II. Vatikanischen Konzil erweiterte Dieter Broxtermann gemäß den Konzilsbeschlüssen das Repertoire des Chores, vor allem deutschsprachige Literatur war gefordert. Dazu kam in den siebziger Jahren die erste Aufführung einer orchesterbegleiteten Messvertonung in der Liturgie seit der Neugründung des Domchores mit der „Spatzenmesse“ von Mozart. Für Dieter Broxtermann, der zu Schülerzeiten im süddeutschen Konstanz am Kontrabass spielend die Messen Haydns und Mozarts kennen- und liebengelernt hatte, ein besonderes Erlebnis.

Bis zum Jahr 1979 war Dieter Broxtermann für die Chormusik am Dom verantwortlich und übergab dann die Leitung an Johannes Rahe, den er schon einige Jahre zuvor ermuntert hatte, am Dom einen Jugendchor zu gründen. Somit trug er nicht unwesentlich zur Gründung des Osnabrücker Jugendchores bei.

Wir haben Dieter Broxtermann viele Impulse zu verdanken, die bis heute nachwirken. Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet und werden sein Andenken wahren.

Unser herzliches Mitgefühl und Beileid gilt seinen Angehörigen. Möge er in Frieden ruhen.